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Nachhaltigkeit 29.05.2026

Mehr Vielfalt bei CO₂-Quellen

Das sollten Anwender in Lebensmittelindustrie wissen

Kohlendioxid (CO₂) ist ein echtes Multitalent: Es wird für industrielle Prozesse genutzt, in der Pharmaindustrie, als Kältemittel R-744 und in der Wasseraufbereitung. Der größte Anteil CO2 wird jedoch in der Lebensmittelindustrie eingesetzt. Dort kühlt und friert das Gas Produkte, verlängert die Haltbarkeit von Lebensmitteln durch Schutzgasverpackungen und wird bei der Trockeneisproduktion eingesetzt. So vielfältig das Gas ist, kann es auch aus verschiedenen Quellen bezogen werden. Westfalen hat sich hier nun breiter aufgestellt.

Traditionell kommt CO2 häufig aus fossilen Quellen wie Wasserstoff- oder Ammoniak-Anlagen. Zum Teil auch schon im Rahmen der Produktion von Bioethanol. Steigende Kosten und verschärfte Umweltauflagen führen dazu, dass die Produktionsmengen aus diesen Quellen weiter abnehmen. Vor diesem Hintergrund erweitert Westfalen nun seinen Quellenmix um CO2 aus Biomethan-Anlagen. Was das für die Lebensmittelindustrie bedeutet, erklärt Westfalen Product Managerin Nicole Walter. Denn: Je nach Anwendung gelten unterschiedliche Anforderungen an Reinheit, Nebenbestandteile und die Herkunft des CO₂. 

In der Getränke- und Lebensmittelproduktion herrschen die höchsten Qualitätsanforderungen. „Food-Grade“ lautet hier das entsprechende Stichwort. Eine Spezifikation, die auf der EU-Verordnung 231/2012 basiert und mit den Vorgaben der EIGA (European Industrial Gases Association) sowie der ISBT (International Society of Beverage Technologists) in Einklang gebracht ist. Nicole Walter erklärt: „Food-Grade-CO₂ erfüllt die strengen Vorgaben der Lebensmittel- und Getränkeindustrie. Reinheit und Analyse der Nebenbestandteile sind genau definiert und entsprechen den gesetzlichen Anforderungen und Branchenvorgaben.“

Herkunft des Kohlendioxids – ein wichtiger Unterschied

Eine wichtige Rolle gerade für die Getränke- und Lebensmittelindustrie spielt die Herkunft des Kohlendioxids. Im Rahmen der Dekarbonisierung verlagert sich der Fokus zunehmend auf erneuerbare Quellen, wie etwa Biomethan-Anlagen. Für Lebensmittel ist somit wichtig zu wissen, dass jene Anlagen mit Gülle und Mist gespeist werden, was für vegetarische oder vegane Produkte ein relevanter Faktor ist. „Wir bieten beide Varianten an, also aus herkömmlichen und alternativen Quellen, und sorgen durch separate Tankwagenflotten für eine klare Trennung in der Logistik. Das Molekül bleibt dabei gleich – egal aus welcher Quelle es stammt. Das CO₂ aus Biomethan-Anlagen, wo wir unser Produkt beziehen, wird genauso gereinigt und analytisch geprüft wie das aus klassischen Quellen“, betont Walter.

Westfalen informiert seine Kunden offen über die Möglichkeiten, ob für sie das herkömmliche Markenprodukt Protadur® E 290 flüssig in Frage kommt oder das neue Kohlendioxid E 290 flüssig. „Letzteres beziehen wir aus CO2-Verflüssigungsanlagen, die an eine regionale Biomethanaufbereitung angeschlossen sind. Es liegt dann in der Verantwortung des (Lebensmittel-)Herstellers, zu entscheiden, ob das Produkt in seinem individuellen Herstellprozess eingesetzt werden kann“, so Walter.

Welche CO2-Qualität für welche Anwendung?

Ob ein Lebensmittelunternehmen einen Lebensmittelzusatzstoff oder einen Verarbeitungshilfsstoff einsetzt, hängt vom jeweiligen Produktionsprozess ab. So ist auch bei der Entscheidung, welche Spezifikation und Quelle das CO2 erfüllen sollte, diese Unterscheidung hilfreich.

Lebensmittelzusatzstoff (E 290):

  • Wird aus technologischen Gründen zugesetzt und kann zu einem Bestandteil des Lebensmittels werden
  • Kennzeichnung mit E-Nummer (z.B. Kohlendioxid = E 290)
  • Beispiele: Karbonisierung von Getränken, Verpacken unter Schutzatmosphäre

Verarbeitungshilfsstoff:

  • Wird bei der Verarbeitung eingesetzt, erfüllt keinen technologischen Zweck und verbleibt nicht oder nur in Restmengen im Endprodukt
  • Kein Lebensmittelzusatzstoff, keine E-Nummer
  • Beispiel: Trockeneis beim Kuttern von Salami (verdampft uns ist im Endprodukt nicht mehr enthalten)

 

CO2-Qualitäten bei Westfalen im Überblick

 

Protadur® E 290 flüssig:

  • Für den Einsatz als Lebensmittelzusatzstoff (das klassische “Food-Grade”)
  • Entspricht EU-Verordnung 231/2012 für E 290, EIGA und ISBT
  • Konformitätserklärung und Stellungnahmen verfügbar
  • Bezug aus traditionellen Quellen
  • Anwendungsbeispiele: ideal für Getränkeherstellung und Schutzgasverpackung

Kohlendioxid E 290 flüssig:

  • Empfohlen für den Einsatz als Verarbeitungshilfsstoff
  • Entspricht EU-Verordnung 231/2012 für E 290 und ist somit auch ein Lebensmittelzusatzstoff - für noch mehr Sicherheit
  • Auch aus Biomethan-Anlagen verfügbar - für mehr Versorgungssicherheit
  • Beispiele: Trockeneisproduktion, Frosten, Kühlen, Temperaturkontrolle, Gewächshausdüngung oder CO2-Extraktion

CO₂ aus Biomethan-Anlagen kann durchaus die hohen Anforderungen der Lebensmittelindustrie erfüllen. Dennoch wird es aufgrund der Quelle (noch) nicht überall akzeptiert, wie Nicole Walter abschließend erklärt:

„Der Markt ist im Wandel – wir sprechen über das gleiche Molekül mit identischer chemischer Struktur. Durch die Nutzung von Biomethan-Anlagen als zusätzliche Quelle stellen wir uns breiter auf und können bei Engpässen besser entgegenwirken. Damit stärken wir die Versorgungssicherheit und Lieferketten und senken letztlich auch den CO2-Fußabdruck des Produkts durch kürzere Transportwege.“


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