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Unternehmen | 28.09.2022

Propan in Flaschen: „Kein Problem mit der Beschaffung von Propangas – die Versorgung ist sichergestellt“

Interview mit Dr. Tim Fronholt, Leiter Flaschengas im Bereich Energy Solutions

Herr Dr. Fronholt – Sie sind bei der Westfalen Gruppe verantwortlich für das Produkt Propan in Flaschen, das viele auch unter den Marken Westfalengas und Globalgas kennen. Jetzt kommt die kalte Zeit und damit aktuell viel Unsicherheit bei Energiethemen. Haben Sie sich selbst bereits eine Notreserve in Form von Propanflaschen für den Winter angelegt?

Dr. Tim Fronholt: Nein, ich halte das nicht für notwendig. Wir erleben im Handel allerdings gerade sehr starke Vorratskäufe als direkte Auswirkung des Ukraine-Kriegs. Die Größenordnung dieser Produktkäufe stellt die gesamte Branche vor nie gekannte Herausforderungen. Zumal wir tatsächlich kein Problem mit der Beschaffung von Propangas haben – die Versorgung ist sichergestellt. Was die Kapazität unserer Lager- und Verteilterminals betrifft, zählen wir zu den größten Anbietern in Deutschland. Wir beziehen unser Produkt ausschließlich von westeuropäischen Partnern. Es ist deshalb nicht nötig, Propanflaschen auf Vorrat zu kaufen. 

Warum sind Vorratskäufe aktuell für Sie eine Herausforderung?

Dr. Tim Fronholt: Durch übermäßige Käufe jenseits des aktuellen Bedarfs z.B. fürs Grillen oder beim Camping und durch die gleichzeitig ausbleibende Rückgabe von Leergut geraten die Flaschenkreisläufe ins Stocken: Wenn leere Propanflaschen nicht in unsere Werke zurückkehren, fehlen diese für die erneute Befüllung und damit auch für die Belieferung unserer Handelspartner. Dieses Phänomen kennt man auch aus der Getränkeindustrie, wo immer wieder recht viel Leergut in privaten Vorratsräumen steht und damit dann für die Befüllung von Mehrwegflaschen fehlt. Daher ist es auch bei Propanflaschen sehr wichtig, dass die Flaschenkreisläufe nicht durch zu große Einkäufe ohne Rückgabe von Leergut ins Stocken geraten.

Was könnte der Grund dafür sein, dass viele Menschen jetzt Propan in Flaschen kaufen?

Dr. Tim Fronholt: Das lässt sich an dieser Stelle nur vermuten. Ich könnte mir allerdings gut vorstellen, dass das in unmittelbarem Zusammenhang mit der Energiekrise steht, die durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine verursacht wurde. Viele Menschen haben aktuell Sorge, im Winter vielleicht nicht wie gewohnt versorgt zu werden. In den Medien ist oft auch die Rede von „Gasknappheit“ – die deutsche Bundesregierung hat sogar einen „Notfallplan Gas“ ausgerufen. Allerdings geht es dabei nicht um unser Produkt Propan.

Die „Gasknappheit“ betrifft nicht Westfalengas oder Globalgas in Flaschen? Worum geht es beim „Notfallplan Gas“ denn dann?

Dr. Tim Fronholt: Der Notfallplan und im Übrigen auch die aktuell heiß diskutierte „Gasumlage“ gelten ausschließlich für Erdgas. Westfalengas ist aber Flüssiggas, was oft auch mit dem chemischen Begriff Propan bezeichnet wird. Die internationale Bezeichnung ist LPG: Das steht für Liquefied Petroleum Gas, wörtlich übersetzt „verflüssigtes Erdölgas". Dieses wird vor allem bei der Öl-Raffination gewonnen. Es ist somit ein komplett anderes Produkt als Erdgas und damit auch unabhängig von den Erdgas-Pipelines, um die es jetzt beim „Notfallplan Gas“ geht. 

Viele Menschen machen sich gerade Gedanken, wie sie im Notfall ohne Erdgas ihre Häuser und Wohnungen beheizen. Manche wollen sogar Geräte mit Propanflaschen nutzen, die ausschließlich draußen verwendet werden dürfen, z.B. Heizpilze. Warum ist das keine gute Idee?

Dr. Tim Fronholt: Weil es hochgefährlich ist. Geräte für den Draußenbetrieb wie Heizpilze und bestimmte Heizstrahler dürfen nicht in geschlossenen Innenräumen verwendet werden. Bei der verbotenen Nutzung in Innenräumen verbrauchen diese Geräte lebensnotwendigen Sauerstoff in der Luft. Die Atemluft reichert sich dann zunehmend mit lebensbedrohlichen Abgasen an. Diese würde man nicht einmal riechen, was besonders heimtückisch ist. So würde eine schleichende Erstickungsgefahr entstehen, wenn man Draußengeräte entgegen allen Sicherheitshinweisen der Hersteller in geschlossenen Räumen verwendet. Hiervon ist sehr dringend abzuraten – bitte solche Geräte nur im Freien verwenden!

Aber kann man mit Flüssiggas denn nicht auch sicher heizen?

Dr. Tim Fronholt: Tatsächlich kann Flüssiggas auch eine sehr sichere und komfortable Alternative zu Erdgas-Heizkonzepten sein. Dann aber mit einem vollständigen Versorgungskonzept inklusive Vorratsspeicher und entsprechenden fest installierten Heizungsanlagen. Dazu erhalten wir aktuell auch bereits sehr viele Anfragen. Zunächst kamen diese von vielen Industrie- und Gewerbebetrieben, die von Erdgas auf Flüssiggas umgestiegen sind. Jetzt melden sich auch zunehmend Privatleute bei uns. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass wir jetzt mitten in der Heizperiode sind und Vorlaufzeiten für Handwerker etc. einzukalkulieren wären. Wer Interesse an diesem Thema hat, kann gerne auch schnell eine unverbindliche Anfrage auf unserer Internetseite stellen.

Was empfehlen Sie Menschen, die aktuell vielleicht noch viele Propanflaschen auf Vorrat haben – ob leer oder voll?

Dr. Tim Fronholt: Bei zu Hause stehendem Leergut ist es aktuell notwendig, dass dies wieder in den Flaschenkreislauf zurückgeführt wird. Das hilft uns beim aktuellen Flaschenmangel, wieder mehr Produkt in den Handel zu bringen. Und meine persönliche Lieblingsanwendung ist natürlich das Grillen – egal zu welcher Jahreszeit. Zu den Festtagen könnte ich mir auch sehr gut eine Weihnachtsgans vom Grill vorstellen. Aber für die nächsten Wochen hoffe ich zunächst einmal, dass dieser Winter und die Energiesituation nicht so schlimm werden, wie es aktuell in den Medien klingt – und dass wir alle gut und vor allem sicher und gesund durch die kalte Zeit kommen werden.

Vielen Dank für das Gespräch.

Mit Dr. Tim Fronholt sprach Communications Manager Dirk Glücksberg.

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